Nachtrag: Fotogallerie

Einen kleinen Nachtrag gibt es noch: Die Sprachsalz Foto-Gallerie ist nun auch online.

Vorerst...

Das Wichtigste an Sprachsalz: Das Publikum

... war es das jetzt mit den Mitschnitten vom Sprachsalz 2009.

Bleibt nur noch einmal der Hinweis auf die alphabetische Liste aller AutorInnen, durch die die einzelnen Mitschnitte der Lesungen gezielt gefunden werden können sowie auf das 8. Sprachsalz-Festival, das vom 9. bis zum 11. September 2010 stattfinden wird.

Dank gebührt an dieser Stelle wie immer den UnterstützerInnen bzw. MöglichmacherInnen dieses Weblogs, nämlich Twoday.net (bzw. knallgrau), die uns ein advanced Weblog mit jeder Menge Speicherplatz gratis zur Verfügung stellen, den KollegInnen von Radio Freirad, die immer wieder mit Mitschnitten einspringen (und die ihre Mitschnitte i.ü. monatlich am 1. Dienstag von 11:06 Uhr - 12:00 Uhr auf 106,5MHz im Großraum Innsbruck senden werden), dem IZA (v.a. in der Person von Renate Giacomuzzi), das uns den Streaming-Server für die Audio-Mitschnitte zur Verfügung stellt und nicht zuletzt Rainer Haake, ohne den bei Sprachsalz gar nichts laufen würde - und schon gar nicht das Sprachsalz-Blog.

Sprachsalz Organisationsteam

Das Organisationsteam freut sich schon aufs nächste Jahr.

Sprachsalzabend

Und hier nun auch die Mitschnitte vom großen Sprachsalz-Abend am Samstag:

Robert Renk und Heinz D. Heisl

Robert Renk und Heinz D. Heisl führen charmant und mit ausschließlich absichtsvoll eingebauten Fehlern durch den Abend, wofür sie auch ins Fernsehen kommen.

Gerhard Rühm

Gerhard Rühm und Monika Lichtenfeld lesen verschiedene Kurztexte (wie z.B. die österreichische Bundeshymne eins weiter) und tanzen mit Text:

Gerhard Rühm und Monika Lichtenfeld beim Sprachsalzabend (Real Audio Stream)

(Dank für diesen Mitschnitt gebührt den KollegInnen von Radio Freirad, die mit ihrem Mitschnitt für meinen, dank einer technischen Panne verloren gegangenen, einsprangen)

Dominik Bernet

Dominik Bernet liest einen Ausschnitt aus "Der große Durst" und gibt (wie bestellt) eine sehr kurze Zusammenfassung einer Kulturgeschichte des Trinkens:

Dominik Bernet beim Sprachsalzabend (Real Audio Stream)

Andrej Kurkow

Andrej Kurkow hingegen badet mit Putin im Eis:

Andrej Kurkow beim Sprachsalzabend (Real Audio Stream)

Felicitas Hoppe

Felicitas Hoppe liest "Gesammeltes Unglück", was zwar der Wahrheit entspricht, das versammelte Publikum aber das Gegenteil von unglücklich macht:

Felicitas Hoppe beim Sprachsalzabend (Real Audio Stream)

Jack Hirschman

Jack Hirschman und Ernst Gossner lesen ein Arcane über ein ungezogenes Kind:

Jack Hirschman und Ernst Gossner beim Sprachsalzabend (Real Audio Stream)

Katja Lange-Mülle

Katja Lange-Müller liest zwei unveröffentlichte Texte namens "Hier allein" und "Nicht allein", im ersten stellt sich die Frage "Engelchen oder Schulti?", im zweiten dürfen Feuerzeuge ins Bett:

Katja Lange-Müller beim Sprachsalzabend (Real Audio Stream)

Arne Rautenberg

Arne Rautenberg beschließt den Abend mit launigen Gedichten, die unter vielem anderen erklären, wie Schafe einschlafen:

Arne Rautenberg beim Sprachsalzabend (Real Audio Stream

Gerhard Rühm und Monika Lichtenfeld

Gerhard Rühm

Gerhard Rühm und Monika Lichenfeld (hier leider nicht im Bild) beschließen den Sprachsalz-Lesereigen am Sonntag mit einer Reihe kürzerer Texte, vom Glaubensbekenntnis bis zum längsten Kuss der Welt, oder wie Thomas Rothschild es ausdrückt, mit eine[r] Poesie, die sich nicht auf Inspiration und die tautologische Vermittlung von „Erkenntnissen“ verlässt, sondern spielerisch auf der Grundlage erdachter und definierter Regeln hergestellt wird, darin der einer normativen Poetik folgenden Barocklyrik durchaus vergleichbar, [und die] tendenziell unendlich viele Varianten zulässt und ins 21. Jahrhundert hinüber gerettet werden konnte:

Gerhard Rühm und Monika Lichtenfeld (Real Audio Stream)

Überraschung Nummer 2: Ilja Trojanow

Ilja Trojanow

Ilja Trojanow überraschte das Publikum am Sonntag mit seiner Lesung aus dem mit Juli Zeh gemeinsam verfassten und soeben erschienen "Angriff auf die Freiheit":

Ilja Trojanow (Real Audio Stream)

Lydie Salvayre

Lydie Salvayre und Verena Mayr

Lydie Salvayre (am Bild rechts) wird bei ihrer Lesung aus "La compagnie des spectres" am Sonntag vor einem randvoll gefüllten Saal 1 von Magdalena Kauz (nicht im Bild) vorgestellt und Verena Mayr (am Bild links) leiht der deutschen Übersetzung ihre Stimme:

Lydie Salvayre (Real Audio Stream)

Sprachsalz-Club II

Sprachsalz-Club II

Beim sonntäglichen Sprachsalz-Club II im Medienturm Ablinger.Garber diskutierten Felicitas Hoppe, Franz Dodel und José F. A. Oliver mit Urs Heinz Aerni über das Thema: "Schreiben nach der Messe. Das katholische Erbe in der neueren Literatur". Hier der Mitschnitt:

Sprachsalz Club II (Real Audio Stream)

Überraschung Nummer 1: Monique Schwitter

Monique Schwitter

Die erste Überraschungs-AutorIn, Monique Schwitter, liest im Medienturm drei kurze Erzählungen, wobei bei deren letzter ohne die visuelle Komponente vielleicht etwas an Witz verloren geht, was der Text aber leicht verkraften kann:

Monique Schwitter (Real Audio Stream)

Das war's (fast)

Mit einer fulminanten Lesung von Gerhard Rühm und Monika Lichtenfeld ging das Sprachsalz-Festival 2009 soeben zu Ende. Oder mm es mit Gerhard zu Rühm zu sagen: Es seufzen die Hände beim Winken.

Hier werden in den folgenden Stunden und Tagen die noch ausständigen Mitschnitte nachfolgen, bleiben Sie also dran.

Andrea Gerster

Andrea Gerster

Andrea Gerster liest am Samstag aus "Dazwischen Lili" und die kurze Erzählung "Mimosa fliegt":

Andrea Gerster (Real Audio Stream)

Pavel Schmidt

Pavel Schmidt

Pavel Schmidt bei seiner Lesung verschiedener Kurztexte am Samstag im Saal 3 und hier ein Mitschnitt der Lesung:

Pavel Schmidt (Real Audio Stream)

Péter Nádas

Péter Nádas, Foto: Florian Schneider

Péter Nádas bei seiner Lesung aus "Schöne Geschichte der Fotografie" am Freitag:

Péter Nádas (Real Audio Stream)

Franz Dodel

Markus Köhle und Franz Dodel

Markus Köhle und Franz Dodel, "die Entdeckung dieser Literaturtage" (Stefan Gmünder), amüsieren sich über den Kafka-Käfer, der Mitschnitt der Lesung aus dem Riesen-Haiku "Nicht bei Trost" findet sich hier:

Franz Dodel (Real Audio Stream)

Katja Lange-Müller

Katja Lange-Müller

Mitschnitt von Katja Lange-Müllers Lesung aus "Böse Schafe" am Freitag:

Katja Lange-Müller (Real Audio Stream)

Sprachsalz-Club Änderung und Details

Eine kleine Änderung gibt es beim Sprachsalz-Club I, bei dem nun Magdalena Kauz, Heinz D. Heisl und Max Hafele sich mit Urs Heinz Aerni über "Sprachsalz - Hinter den Kulissen" unterhalten werden. Das Ganze findet am Samstag um 16:00 Uhr im Restaurant Welzenbacher statt.

UPDATE: Wenn das schöne Wetter hält, findet der Sprachsalz-Club I nicht im Restaurant, sondern auf der Terrasse statt; ebenso die folgende Lesung von Felicitas Hoppe.

Der sonntägliche Sprachsalz-Club II um 11:00 Uhr im Medienturm Ablinger.Garber hat das Thema "Schreiben nach der Messe. Das katholische Erbe in der neueren Literatur". Felicitas Hoppe, Franz Dodel und José F. A. Oliver unterhalten sich mit Urs Heinz Aerni.

Juri Andruchowytsch

Robert Renk und Juri Andruchowytsch

Juri Andruchowytsch ist hier am Bild mit Robert Renk in seiner Eigenschaft als Pate von Andriy Lyubka. Der folgende Mitschnitt hingegen ist von Juri Andruchowytschs eigener Lesung aus "Geheimnis" vom Freitagabend, Ernst Gossner leiht neben dem Autor dem dialogischen Text seine Stimme und José F. A. Oliver stellt Juri Andruchowytsch vor:

Juri Andruchowytsch (Real Audio Stream)

Andrej Kurkow und Alex Capus

Andrej Kurkow und Alex Capus lesen in der Wäscherei P.

Andrej Kurkow

Andrej Kurkow liest aus "Der Milchmann in der Nacht":

Andrej Kurkow (Real Audio Stream)


Alex Capus

Und Alex Capus liest nach kurzer Vorrede eine vollkommen den Tatsachen entsprechende Kurzgeschichte über seine Nachbarin Alice:

Alex Capus (Real Audio Stream)

Anna Kim

Anna Kim

Anna Kim liest im Kurhaussaal aus "Die gefrorene Zeit":

Anna Kim (Real Audio Stream)

Dominik Bernet

Dominik Bernet und Urs Heinz Aerni

Dominik Bernet wird moderiert von Urs Heinz Aerni und liest aus "Der große Durst":

Dominik Bernet (Real Audio Stream)

O.P. Zier

O.P. Zier

Markus Köhle moderiert O.P. Zier an, der aus "Tote Saison" liest. Die Aufnahme endet leider recht willkürlich, weil der Akkus des Aufnahmegerätes ausging, aber da es sich um einen Krimi handelt, bleibt es so auch spannend.

O.P. Zier (Real Audio Stream)

Joyce Johnson

Joyce Johnson

Joyce Johnson liest einen Text über Jack Kerouac:

Joyce Johnson (Real Audio Stream)

Arne Rautenberg

Arne Rautenberg

Arne Rautenberg bei seiner Lesung verschiedenster Gedichte im Kurhaussaal, anmoderiert von Magdalena Kauz:

Arne Rautenberg (Real Audio Stream)

...

Und jetzt auf in die Wäschei P, die restlichen Audio-Mitschnitte von heute dann wohl morgen hier...

Andriy Lyubka

Andriy Lyubka

Andriy Lyubka liest am Freitag in Saal 1 aus "Terrorism", Thomas Gassner übersetzt, Robert Renk und Pate Juri Andruchowytsch moderieren:

Andriy Lyubka (Real Audio Stream)

Felicitas Hoppe

Markus Köhle und Felicitas Hoppe

Markus Köhle moderiert Felicitas Hoppe in gewohnter Manier ("ein Kurzurlaub mit poetischer Vollpension") an, hier ein Mitschnitt eines Teils der Lesung, die den Zusammenhang von Meer und Bergen erklärte, und zwar aus "Der beste Platz der Welt":

Felicitas Hoppe (Real Audio Stream)

Jack Hirschman

jack hirschman und ernst gossner

Jack Hirschman las am Freitag im Saal 3 aus seinen als "the brick" bezeichneten Arcanes, Ernst Gossner die deutschen Übersetzungen. Die Tonaufnahme gibt es hier:

Jack Hirschman (Real Audio Stream)

Helmut Schönauer

helmut schönauer

Helmut Schönauer eröffnet das Sprachsalz-Festival 2009, einen Mitschnitt seiner Lesung gibt es hier:

Helmut Schönauer (Real Audio Stream)

Und in wenigen Minuten...

... geht es auch so richtig los, Fotos, Aufnahmen, Videos und Liveberichterstattung dann demnächst hier am Sprachsalz-Weblog

Es geht langsam los...

Heute Abend werde ich persönlich leider nicht beim schon traditionellen Sprachsalz-Empfang für die AutorInnen und MitarbeiterInnen dabei sein und davon fürs Weblog berichten können, da ich bei Text ohne Reiter sein werde, aber ab morgen werde ich live vor Ort sein und berichten.

Hier noch einmal der Hinweis aufs Programm, ich freue mich schon auf drei Tage Literatur, und wäre Sprachsalz nicht abstrakt, es freute sich auch.

Felicitas Hoppe

Von Felicitas Hoppe gibt es einen kurzen Auszug aus Der beste Platz der Welt, erschienen bei Dörlemann.

hoppes bester platz


Auszug aus: "Der beste Platz der Welt"

Einsiedeln heißt, einen Platz finden, einen
Ort, eine Stelle. Oder wenigstens eine Ecke,
etwas, woran beim wiederholten Versuch, im
Dunkeln doch noch voranzukommen, plötz-
lich unerwartet der Fuß stößt und Halt
sucht, in der Hoffnung, auf eine Schwelle zu
stoßen, vielleicht sogar auf eine Stufe nach
oben. Man steht also still und holt Luft. Und
beschließt unvermutet, länger zu bleiben,
weil man der Versuchung einfach nicht wi-
derstehen kann, genau hier auf der Stelle auf
den Morgen zu warten und dabei zuzusehen,
wie es zwischen den Bergen langsam hell
wird, damit man endlich von oben ins Tal
blicken kann, um zum ersten Mal den Atlan-
tik zu sehen. Denn bis heute ist wenig be-
kannt, dass, wer wirklich den Ozean sehen
will, egal ob atlantisch oder pazifisch, hinauf
in die Walliser Berge muss, weil sich das
Meer nicht vom Meer aus erkennen lässt.
Erst von hier oben lässt sich begreifen, was
die Versenkung in einen Anblick bedeutet,
während man unten, von Bewegung und
Wellen umzingelt, nichts betrachten kann,
weil alles vorüberzieht.

Pavel Schmidt

Von Pavel Schmidt gibt es gleich zwei Texte - beide ohne Titel.

pavel schmidt


(ohne Titel)

jene gruppierungen von menschen, die sich gemeinsam einer körperertüchtigung hingeben oder im besonderen, im rahmen ihrer gemeinsamen körpertätigkeit eine spielart betreiben, sind als eine gemeinschaft anzusehen. diese gemeinschaft von gleichgesinnten pflegt man üblicherweise als eine mannschaft zu bezeichnen. dieser sprachlichen gepflogenheit entsprechend, ist eine mannschaft eine auswahl von ausübenden (eben einer körperlichen betätigung) zu einem bestimmten zweck. sei es ein wettkampf, sei es eine freundschaftsbegegnung oder ein länderkampf oder ein kräftemessen oder ein treffen von ehemaligen (veteranentreffen). die mannschaft ist also eine auswahl – in der regel der besten und geeignetesten – eines vereines, eines verbandes, einer riege, eines landes, einer nation.

„mannschaft: mittelhochdeutsch „manschaft“ hat verschiedene bedeutungen, die einem abstraktum oder kollektiv zukommen: „status des (lehens- ) mannes“, „gefolgsleute“. die kollektive bedeutung setzt sich durch und wird verallgemeinert.“ (aus: kluge, etymologisches wörterbuch der deutschen sprache)
aber eine mannschaft setzt im allgemeinen verständnis voraus, dass dieselbe aus männlichen teilnehmern beziehungsweise mitgliedern besteht. erstaunlich und auffallend verwirrend erweist sich, wenn die berichterstattung in überaus ernsthafter, deutsch-sprachiger tagespresse von einer frauen- oder damenmannschaft spricht...
es werden auch vorstellungen und erinnerungen wach, an jene wettkampfteilnehmerinnen und –teilnehmer, deren geschlecht oder geschlechtsartung, selbst in der spärlichen, berufsüblichen bekleidung nur schwer oder gänzlich unmöglich auszumachen war und ist.

während sich eine frauenmannschaft geschlechtlich aufhebt (neutralisiert) oder ins ungeschlechtliche oder zwei- oder zwiegeschlechtliche abgleitet, bedeutet hingegen – erweitert – die ergänzende begrifflichkeit der herrenmannschaft eine art verdoppelung beziehungsweise quadratur im sinne einer potenzierung (mannesmann/herrenmänner). oder ist es eine tautologie oder ein pleonasmus oder dient die bezeichnung herrenmannschaft vielleicht zur steigerung der ehrfurcht des gegnerischen teams, der „équipe“ oder der „squadra“.

(diese sprachlichen umständlichkeiten und uneindeutigkeiten – von unzulänglichkeit soll hier nicht die rede sein ­– verleiten häufig zur übernahme des englischen leihwortes. obwohl der gebrauch von „team“ sich zunehmender beliebtheit zu erfreuen beginnt, verschafft er unter umständen irreführende beziehungsmöglichkeiten: „der trainer“ beziehungsweise „der masseur der damenmannschaft“, „er stiess ins team“, „sorgte im team für unruhe“ und so weiter.)

bedenklich wird dieser sprachliche geschlechtswitz, wenn es sich um mannschaften wie landsmannschaften handelt, der vertriebenen etwa...
trotz geschlechtsunbestimmtheiten, weil weder mittlerweile vertrieben noch ansässig, offenbart sich also der gemischtgeschlechtliche fortbestand der mannschaften: landsfrauenmannschaft, auch gartenzwerge bewegen sich auf ähnlicher ebene, sind den mannschaften entsprechend männlich, ob vertrieben oder ansässig oder gesprengt oder wiederhergestellt, taucht zwangsläufig die frage auf, wie die erhaltung ihrer art fortpflanzendermassen gewährleistet wird: gartenzwerginnen.
befremdend in dieser beziehung oder anspielend anmutig erscheint allerweil die redensart, dass eine frauenmannschaft auf vordermann zu bringen wäre.


(ohne Titel)


im zuge mannigfacher begegnungen, meistens unvorhersehbarer gestaltung, vermehren sich die bekanntschaften mit schaffnern in durchhängend ausgeweiteter dienstbekleidung und meistens sehr scharfen bemerkungen zur allgemeinen lage.

wurstmaden lassen nicht allzu lange auf sich warten, vorausgesetzt, die bedingungen sind günstig.

so lassen die kleinigkeiten des äusseren kaum noch spielraum übrig für sich verdrehende andeutungen von wahren ansichten. wesentliches wird verschwindend ungenau unter den wachsenden auswirkungen von unabdingbaren eindrücken.

vermehrungsbeobachtungen unter den maden werden feststellbar, bis die wurst gänzlich verschwindet.

entsprechendes traf im mai 1953 im tierpark hellabrunn ein, als ein zitteraal gymnotus electricus, ein ansonsten sehr zahmes und umgängliches tier, dem tierpfleger, emil ertner, beim füttern einen so heftigen elektrischen schlag versetzte, dass er beinahe ins becken gestürzt und ertrunken wäre. er wurde betäubt am beckenrand von seinen entsetzten kollegen aufgefunden. glücklicherweise hinterliess dieser unerwartete elektrische schlag keine weiteren folgen. 1939 gelingt es im berliner zoo geheimrat prof.dr.l.beck, der übrigens einen überaus üppigen haarwuchs vorzustellen hatte, zusammen mit dr. oskar heimroth, eine, an den zitteraal angeschlossene 40-watt glühbirne zum leuchten zu bringen, zu einer zeit, in der manche menschen mit der auszurottenden brut der ratten verglichen wurden.

wurstmadenzustände unerschrocken anzuerkennen, ist nicht sehr häufig. vielleicht ist es ratsamer, die maden sich vermehren zu lassen oder die würste viel schneller aufzufressen.

die zeit der prügelnden häscher, der knüppelnden aufstreber, der mordenden gehorsamstreiber, sie versuchen nach der geschehenen willkür zu vernebeln, verdampfen zu lassen und berufen sich auf schwerlich nachvollziehbares: schaffner in zügen der menschlichkeit, fortwährend menschliches.

die anlage einer made in der wurst ist in wesentlichen zügen vorhersehbar.

im rahmen des nicht zu stillenden forschungsdranges nach menschlichen ursprüngen, liess man affen malen und zeichnen. desmond morris stellte auswertend fest, dass die ergebnisse denjenigen von kleinkindern durchaus gleichen. in diesem sinne geraten auch manche hervorbringungen moderner kunst in den zusammenhang des vergleiches, was freilich nur bei ganz wenigen, verwegenen decklern und unentwegten draufhauern zur erwähnung kommt. ein, zu dem herzen des volkes sprechendes, mutiges entgegentreten zur rettung der menschheit und ihrer grösse erscheint als beweisbare offensichtlichkeit, den es spricht das wahre an.

der tag der made in der wurst kommt in jedem haushalt vor.

unbestimmt verlagern sich die begriffsbestimmungen von menschlich-unmenschlich, tierisch-untierisch ineinander, wobei das tierische eigentlich jeglicher tugendhaftigkeit entbehrt und abwertend im alltag dasteht. das menschliche hingegen, immer höhere werte beinhaltend, erhebt sich über das unmenschliche, was dem tierischen nahe kommt, ebenso entspricht dann das untierische dem menschlichen. von weitreichender verwirrung zeugen die tatsachen der menschenvernichtung, der tierversuche, des gegenseitigen fressens. verklärungen von bedeutungen und ihrem umgang überschlagen sich bis zur aufnahme der nächsten nahrung. „vor allem haben die termiten ein für alle mal vollkommener, wissenschaftlicher als jedes andere tier, mit ausnahme vielleicht gewisser fische, das hauptproblem jeden lebens, das problem der ernährung gelöst. sie nähren sich ausschliesslich von zellulose, die nächst den mineralien der verbreiteste stoff auf erden ist, bildet sie doch den festen bestandteil, das gerüst alles pflanzlichen. überall, wo es holz, wurzeln, dornen, irgendein gras gibt, finden sie also unerschöpfliche vorräte“, so maurice maeterlinck in seinem werke „das leben der termiten“, also könnten die termiten vielleicht tierischer sein wie etwa die haie, oder untierisch oder sogar menschlich. künstler sind eine gruppe jener menschen, die eine wundervolle verbindung von grübeln und handeln gefunden zu haben scheinen. obgleich sie eine fülle menschlicher kenntnisse übermitteln, tragen sie doch überall die blutvolle farbe erlebter und erkämpfter überzeugung. mit hellem kopf und warmen herzen untersuchen sie neue möglichkeiten des gesellschaftlichen, geschäftlichen und häuslichen lebens, vor allem auch die des hauptbestandes der sittlichkeit und des liebeslebens: (menschliche künstler, unmenschliche bösewichte, tierische triebtäter.)

das leidenschaftliche leben der wurstmade erbittet rücksicht und geduld.

aufreizend zur verfügung, sich um nichts kümmernd, erhöht sich nach mitternacht die neigung zu allerlei getränken, diesbezüglich sich auch weitere verwirrungsspiele lallend aus dem unzusammenhängenden herausgraulen. missdeutungsträchtig das sos-zeichen, welches für die rettung des menschlichen lebens steht. oft sind es körperteile um die es geht (angebrachter wäre vielleicht sob: „save our bodies“ zu verwenden. pannen, leichtsinn, unvorsichtiges handeln führen zu unfällen mit teilweise tödlichem ausgang, den „save our souls“ bemühungen zum trotz. neuerdings wird es auch im zusammenhang mit der tier-, ja sogar der pflanzenwelt und der erde überhaupt verwendet.

die maden tauchen immer wieder auf, sie verlassen sich dabei nur auf die menschen.

für die rettung von seelen sind bekanntlich viele andere anstalten, gruppierungen und gemeinschaften wesentlich zuständiger, als die verschiedentlich untergebrachten erste-hilfe-einheiten und einsatzunterschiedlichen rettungsdienste.

Juri Andruchowytsch

Juri Andruchowytsch schickt uns als Kostprobe einen Ausschnitt aus seinem gerade in Arbeit befindlichen Städte-Text.

Juri Andruchowytsch


ODESSA, 1994

Dem Wort „Odessa“ haftet schon ein ganz besonderer Flair an, vor allem für diejenigen, die nie dort waren. Wie oft ist es mir passiert, dass meine Gesprächspartner vor Erregung zu zittern begannen, kaum hatte ich ganz nebenbei „Odessa“ erwähnt. Odessa kennt man in aller Welt. Genauer gesagt: Man kennt es nicht, obwohl man es kennt. Am korrektesten wäre also zu sagen, dass man Odessa nicht kennt, das aber in aller Welt. Denn alle Welt weiß davon, vor allem aus Sergei Eisensteins Film. Ich aber kenne es seit den Sommerferien 1969. Odessa war in Wirklichkeit die Kotowskij-Siedlung, also Lusaniwka. Meer und Strand in nichts zu vergleichen mit der Südküste der Krim, und in keiner einzigen Buchhandlung gab es auch nur ein einziges Buch von Jules Verne, obwohl es doch angeblich eine Hafenstadt war. Der Strand war unerträglich dreckig und wimmelte nur so vor Fliegen
und ihren Larven, schlimmer aber noch war eine Art angrenzende Grünanlage, wo unter jedem Busch ein Haufen Exkremente unterschiedlichen Alters lagerte.
Dann kamen andere Sommerferien, Mitte der Siebziger. Das ist wenn über der Oberlippe schon der Bart sprießt und man wahnsinnig gerne Sex haben möchte. Damals traf mich jener Sonnenstich, in dessen Folge ich plötzlich Dichter wurde. Wenn ich „Sonnenstich“ schreibe, dann sollten Sie das nicht wörtlich nehmen. Plötzlich durchdrang mich einfach alles – als habe mich jemand von oben mit einem heißen Speer durchbohrt. Gerade, als ich, nur in Badehosen, mitten auf dem Strand stand!
Als Folge dieses Speerwurfs kam ich etwas mehr als achtzehn Jahre später wieder nach Odessa, diesmal von See. Es handelte sich um ein griechisches Kreuzfahrtschiff mit sechs Decks, in Piräus in See gestochen, das ohne einen Hafen anzulaufen die Ägäis, das Marmaris- und das Schwarze Meer durchquert und am Passagierhafen von Odessa angelegt hatte. Aus ihm ergoss sich unser ganzer Stall voller Schriftsteller, an die vierhundert Personen.
Schriftsteller sind im Westen meistens links – die guten, die nicht ganz so guten und die ganz miesen. Das bedeutet weniger Zugehörigkeit zu einer Partei als eine gewisse weltanschauliche Grundeinstellung oder – noch ungewisser –gesellschaftliches Gestikulieren. Mir erscheint dieser linke Non-Konformismus immer als eine besondere Form des Milieukonformismus, demzufolge es peinlich ist, kein linker Schriftsteller zu sein. Nicht links sein bedeutet, ein bürgerliches Schwein zu sein. Und was kann schlimmer sein?

Aber zurück nach Odessa. An jenem nasskalten Novembernachmittag, kurz vor der früh hereinbrechenden Abenddämmerung, ergossen sie sich über den Passagierhafen wie eine vierhundertköpfige Tsunami-Herde. Sie wollten Odessa – ohne Zweifel. Was sie brauchten, war die Potemkin-Treppe mit dem Kinderwagen. Und dazu rote Fahnen, KGB, Hafenhuren. Sie fingen bei den Geldwechslern an und überschütteten sie mit kleinen Dollarscheinen. Dafür erhielten sie riesige Päckchen hyperinflationärer Kupon-Karbowanzen. Eine Fünfdollarnote war Hunderte dieser schmierigen, verschieden oder vielmehr gleich widerlich gefärbten Papierchen wert.
Dann machte jeder von ihnen etwas, wofür ich sie zum ersten Mal zu hassen begann. Sie fotografierten sich mit diesen ekligen verschiedenfarbigen Päcken, fächerten sie auf, wenn es ging, stopften sich damit die Taschen voll und krümmten angestrengt ihre Buckel. Wie Kinder freuten sie sich über diese Geldmasse, aber das waren böse Kinder.
Zum zweiten Mal hasste ich sie, als sie sich auf die gleich hinter den Geldwechslern aufgebauten Stände stürzten und diesen Gaunern alles abkauften, was sie in die Finger bekamen – Matrjoschkas, Militärhelme, Kappen aus Kaninchenfell, Soldatenmützen mit Ohrenklappen, Lenin-Stalin-Porträts, Orden und Medaillen der Sowjetunion, Samoware, Filzstiefel, wattierte Jacken „Kufajka“, Koppeln, Raketenrampen, Generalssterne, dann wieder Matrjoschkas und von vorn im Kreis immer dasselbe. Ihnen schien, sie erlebten den letzten Ausverkauf der Bruchstücke einer besiegten, doch immernoch attraktiven Welt. Dabei fotografierten sie ununterbrochen – in der dichter werdenden Dämmerung unter immer häufigerem Blitzen, eine letzte apokalyptische Session vor Einbruch der vollkommenen Finsternis, schon in Soldatenmützen und Uniformmänteln und Drillichhosen, Orden und Sterne an der Brust, mit Balalaikas, Kalaschnikows und Ikonen.
Als hätten sie diesen ganzen Kommunismus zum Teufel zertrümmert, und tanzten jetzt auf seinen Überresten. Oder anders – als ob sie gekommen wären, seine letzten Reste zu retten, um ihn wieder zusammenzusetzen.
Wie gut, dass wir noch am selben Abend von Odessa nach Constanţa weiter fuhren und sie nicht mehr dazu kamen.

Aus dem Ukrainischen von Sabine Stöhr.

Alex Capus

Alex Capus erklärt uns in seiner Textprobe, wie er zum Schreiben gekommen ist.

Porträt von Alex Capus, © Ayse Yavas


Piazza September 09

Manchmal fragen mich die Leute, wie ich zum Schreiben gekommen bin und wo ich es gelernt habe. „Na, bei Fräulein Brotschi“, sage ich dann. „Im Sommer und Herbst 1968, und zwar im Sälischulhaus in Olten.“ Fräulein Brotschi hat mir alle sechsundzwanzig Buchstaben beigebracht, und mit denen habe ich noch im selben Jahr meine erste Indianergeschichte geschrieben in ein kariertes Schulheft.
Übrigens ist es erstaunlich, wie viele Schweizer Schriftsteller in Olten lesen und schreiben gelernt haben. Peter Bichsel hat ebenfalls bei Fräulein Brotschi lesen und schreiben gelernt. Im Sommer und Herbst 1942 muss das gewesen sein, und zwar im Bifangschulhaus, weil es das Sälischulhaus damals noch nicht gab. Er ist am Pfarrweg 9 aufgewachsen, gleich neben der reformierten Kirche, ich im mittleren Hochhaus am Mühletalweg 5 im achten Stock. Zwei Etagen über uns wohnte mit seinen Eltern Rolf Lappert, heute Träger des Schweizer Buchpreises 2008; er war aber nicht bei Fräulein Brotschi, sondern im Schulzimmer nebenan bei meiner Mutter, die von Kindern und Eltern Fräulein Capus gerufen wurde, worüber sie sich vergeblich furchtbar ärgerte; denn damals war eine Lehrerin einfach ein Fräulein, daran war noch nicht zu rütteln.
Nur achthundert Meter westlich, an der Reiserstrasse 4, ist Franz Hohler aufgewachsen; der müsste ums Jahr 1950 eingeschult worden sein, wahrscheinlich ebenfalls im Bifangschulhaus. Ob auch er bei Fräulein Brotschi war, weiss ich nicht. Ich wollte ihn fragen, aber er ist auf Bergtour.
Nicht bei Fräulein Brotschi, sondern bei Fräulein Irma Schenker im Hübelischulhaus hat Ulrich Knellwolf lesen und schreiben gelernt. Er wohnte erst an der Solothurnerstrasse 276 an der Grenze zu Wangen, dann an der Rainstrasse 10, von wo sein Vater es nicht weit hatte zur Arbeit in die Usego. Ein alter Drachen sei Fräulein Schenker gewesen, sagt er sechzig Jahre später, und die Buchstaben habe man bei ihr an der Wandtafel aneinander schieben müssen wie Güterwaggons im Rangierbahnhof.
Meine Fräulein Brotschi hingegen war eine warmherzige, distinguierte Dame kurz vor dem Pensionsalter mit Hang zur Anthroposophie, die unsere Bleistifte stiftsparend mit einem Messerchen spitzte und uns gelegentlich etwas auf der Geige vorspielte. Wenn wir krakeelten und Papierkügelchen schmissen, musste sie manchmal ein wenig weinen. In jenem Sommer 1968 wusste schon niemand mehr, dass sie zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs ein hübsches junges Mädchen gewesen war, das unglücklich verliebt war in einen Oltner Lehrer und SP-Nationalrat; Peter Bichsel aber erinnert sich bis heute, dass er ihre Billets doux als Postillon d’amour dem grossen Mann überbringen musste, und dass dieser dann postwendend antwortete und Peterlis Rücken als Schreibunterlage benutzte.
Angesichts dieser Dichterdichte an den Oltner Schulen liegt die Vermutung nahe, dass es die pädagogischen Fähigkeiten von Fräulein Brotschi, Fräulein Capus und Fräulein Schenker waren, die uns zu Schriftstellern machten; dagegen spricht allerdings die grosse Zahl von Autoren, die in Olten zu produktiven Schriftstellern heranblühten, zuvor aber das Alphabet auswärts erlernt hatten. Urs Faes ist ein Aargauer, aber die meisten seiner Bücher hat er in Olten an der Feigelstrasse geschrieben, wo übrigens auch Ruedi Bussmann aufgewachsen ist. Otto F. Walter ist zwar in Rickenbach geboren, aber zu schreiben begonnen hat er in Olten an der Gallusstrasse, und seine Schwester Silja Walter hat ihre frühesten Gedichte am Amthausquai mit schönem Blick auf die Aare geschrieben. Herbert Meier ist zwar unbestrittenermassen ein Solothurner, aber seine Frau ist in Olten an der Bleichmattstrasse, an der ich heute wohne, gross geworden. Der junge Slam-Poet Kilian Ziegler ist wohl in Trimbach aufgewachsen, aber so richtig aufgeblüht ist er erst, seit er sich in Olten rumtreibt.
An den Lehrerinnen kann es also nicht liegen, dass alle in Olten zu schreiben anfangen. Ich glaube, die tun uns etwas ins Trinkwasser.

Olten, 19. August 2009
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sprachsalz09

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