Monnerat #2

Und gleich noch einmal Roger Monnerat:

Klandestin und bewaffnet
geht’s von Österreich aus


(Reggae)

Was auf uns zukommt, ist weiblich
klandestin und bewaffnet.
geht’s von Österreich aus.

Die Zeit ist nah
da wir nach Wladiwostok reiten
unter uns die rumpelnde Erde
die uns aus dem Sattel wirft
nach Alaska hinüber
wo ein Cadillac auf uns wartet
für die Fahrt
nach New York.

Was auf uns zukommt, ist weiblich
klandestin und bewaffnet.
geht’s von Österreich aus.

Österreich
das keine große Zeitung hat
aber für alle Lyrik produziert
Konzertflügel auf den Großglockner trägt
Schutzengel herunterschießt
und auf der Autobahn überfährt.

Österreich macht die Sprache geschmeidig
seine Stimme ist heiser und leise.
Lüstern lockt sie
Westernhelden ins Katholische
wo Pflüge stehen
und in jedem Turm
eine Glocke hängt.

In Österreich gingen Bolschewiki und Jesuiten
die Strasse hinauf und hinunter
und rauchten Papirossi.

In Österreich waren die Frauen
nach dem Krieg berufstätiger
als Lotta, Helga und Hikunami San.
Heute arbeiten in Österreich
die Frauen nicht mehr
sie bilden Banden
in den Parkanlagen

Sie haben die Affinität
zu Stellmesser und Stiefeletten entdeckt
das Wühlen in Taschen zahlt sich nun aus
und fördert Revolver und Wurfsterne zu Tage
wer in Österreich Frau ist, sagt:
Auch Männer sind Leut’

Von Österreich weiß ich gar nichts
ich bin einmal mit dem Taxi
von Innsbruck nach Klagenfurt gefahren

Alles in Österreich weist nach Osten
nach China und Japan hinüber
die Donau ist mir ein Fingerzeig
wie der japanische Roboter Asimo.
der im August 2003
den tschechischen Ministerpräsidenten
aufforderte zu einem Tänzchen.

Basel, 16.9.05

Monnerat #1

Gewissermaßen als Teaser für das Festival werden hier am Sprachsalzblog bisher unveröffentlichte Texte der vorlesenden AutorInnen gepostet werden, den Anfang macht Roger Monnerat:

Betrachtung

Als Landschaft wär’ sie beinah’ ein wenig ertrunken;
wenn es Äcker gäbe, stünde Wasser in den Furchen,
und an manchen Stellen wäre die Erde über die
Strasse gespült worden.

Der Ausgangspunkt der Betrachtung läge auf einer Kuppe,
und von unten herauf würde der Schein der
Autolichter durch den Nebel fingern, wie nicht ganz
zutreffend gesagt wird. Der Schein der Autolichter hat
eher etwas Geometrisches: Er entwickelt sich tangential
der Strasse entlang.

Der Nebel wird in dieser Betrachtung als am Boden
haftend gedacht, sich hinter einigen Büschen
versteckend, vor allem aber ganz zugehörig der
Baumgruppe rechts oben im Bild.

Es darf ruhig leicht nieseln und eine Stelle am Himmel
geben, an der ein wenig Licht und Wärme
durchschimmern.

Es gibt Frauen hier und Männer und Feuer. Alles ist
über die Erde hin verstreut: Dächer, Fischweiher,
Bäume und Weideland.

Nirgends hat es Zäune, selten stört die Unkeuschheit.
Alle sind sich einig, dass wer am Feuer sitzt, die
Wärme zuerst an den Augenbrauen spürt. Die Sonne
hingegen wärmt an erster Stelle die Schultern und ist
dem Menschen oft ein Freund.

In dieser ländlichen Betrachtung gäbe es das Amt der
Verwahrloser, das jeweils drei Leute während drei
Monaten ausüben, indem sie da und dort Pfosten in
die Erde rammen, an die sie Gummitiere nageln;
beliebt sind auch kurze Stücke Stacheldraht mit
bunten Bändern daran, gelbe Schaumstoffwürste und
Kiesgruben voller Eisenbahnwaggons.

Es ist in dieser Betrachtung üblich, spazieren zu
gehen, so dass es viele Wege gibt, auf die sich die
Leute geeinigt haben. Natürlich gibt es am einen Ende
der Betrachtung den Weggehweg und am anderen
den Zurückkommweg. Die Schuhmacher fertigen
Umhängebeutel an für ein paar Handvoll
Mergelsteinkiesel, die von den Leuten beim Gehen
auf den Wegen ausgestreut werden.

Immer wieder werden in dieser Betrachtung Ansichten
verlost. Regelmäßig stellt sich die Bevölkerung
danach auf einer großen Wiese auf, alle im Abstand
von hundert Schritten voneinander entfernt, und rufen
einander die gewonnenen Ansichten zu. Die eigene Meinung
behalten die Leute solange für sich, bis die Einkäufer
vorbeikommen und dafür gutes Bargeld auf
den Tisch legen.

In dieser Betrachtung gilt, wer mehr als einen Meter
siebzig misst, als höheres Wesen und muss einmal im
Monat den ganzen Tag auf allen vieren gehen und die
Nacht stehend verbringen. Die Schuhmacher fertigen
Knieschoner und Handschuhe für die höheren Wesen
an, die Seiler stellen dicke Taue für die Nacht her. Die
höheren Wesen legen die Arme über die zwischen
zwei Bäume in Achselhöhe gespannten Taue und
schlafen so im Freien.

In dieser Betrachtung wird gar nicht diskutiert. Alle
wissen, dass der wahre Reichtum einzig in den
Menschen steckt, die sich ausbeuten lassen. Den
anderen sind Futterdosen und Lokale mit
Ausscheidungskabinen zuzuweisen.

Fast alle Leute, die in dieser Betrachtung vorkommen,
haben sich selbst hierher verbannt. Sie erholen sich in
der nebligen, nieselnassen und im Gegenteil
sonnenfrohen Ländlichkeit, um in der Stadt groß
herauszukommen. Kaum dort, singen sie und werfen
Kulturgüter auf den Markt. Später suchen die Männer
dunkle Gassen auf, so dass sie
zusammengeschlagen und ausgeraubt werden
können. Was die Frauen während dessen tun, bleibt
ihrer Kenntnis entzogen.

Diese Betrachtung sieht dem Aufkommen eines
elisabethanischen Kapitalismus aufmerksam zu.

Basel, 3.7.06

So viele Fragen müssen wir uns stellen

denn nur durch Fragen lernen wir uns kennen

Also was ist denn bitte dieses "assotsiationsklimbim"? Im "echten" Leben ein ganz normaler Studierender, hier im Netz dessen Weblog und seit Neuestem auch der Betreuer des Sprachsalzweblogs.

Was geschah bisher? Zwei Jahre vor 1984 geboren, humanistisches Gymnasium, Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft und der deutschen Philologie, Interesse für Popkultur, Netzkultur, die (post)moderne Welt, alles eben.

Was genau macht ein Sprachsalzweblogbetreuer? Ich werde irgendwann, wenn ich mal zugleich Lust und Zeit habe, das Layout hier ordentlich ansehlich machen, Inhalte hier reinstellen und meine persönliche Sicht aufs Festival und dann das Weblog hier unter der Rubrik klimbimssalz festhalten. Außerdem werde ich auch dafür Sorge tragen, dass es hier nicht allzu rund geht, wenn dann mal alle, auch Gäste, Einträge schreiben dürfen. Achja, das soll ein offenes Weblog werden: Alle BesucherInnen sind aufgerufen, ihre persönlichen Eindrücke, Meinungen, Beiträge, Kommentare, Ideen etc. hier zu posten, auf dass das ein lebendiges Weblog wird und nicht bloß ein Programmheft im Internet.

Das klingt ja interessant und ab wann wird das möglich sein? Das wird vorraussichtlich erst ab übernächster Woche möglich sein, zuvor bin ich noch auf Urlaub und kann mich nicht richtig ums Sprachsalzblog kümmern, aber dann geht's richtig los. Ich denke, das ist auch sinnvoller so, oder ist da wer anderer Meinung?

Aha Ja.

Jetzt aber zu deiner Person: Was ist denn dein Lieblingsbuch? Ich mag schon "Irre" von Rainald Goetz sehr gerne, aber natürlich wäre das sehr ungerecht, würde man hier nur ein Buch nennen. Es ist ein weites Feld.

Und was liegt momentan auf dem Nachtkästchen? Erstmal habe ich kein Nachtkästchen, aber am Boden vor dem Bett liegen am ersten Stapel "Fragmente einer Sprache der Liebe" von Roland Barthes, "Wie man eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreibt" von Umberto Eco und Bob Dylans Chronicals. Dann kommt auch schon der zweite Stapel, naja.

Deine erste Platte? Das weiß ich doch nicht mehr. Die letzte, die ich mir gekauft habe, war eine Remix-EP von der Mediengruppe Telekommander.

Sonstige Hobbies? Ich hab doch keine Hobbies.

War da nicht doch was? Ich dilettiere auch ein bisschen so mit Texten rum. Die unausgegorenen Ergebnisse können Sie sich am besten bei den regelmäßig in Innsbruck statt findenden Poetry Slams anhören.

Siezen oder duzen? Also mich kann natürlich jede/r duzen, ich selbst halte es lieber mit dem allgemeinen Brauch im Netz, wonach man Fremde erstmal siezt.

Und wie kann man dich denn erreichen? Am einfachsten hier durch Kommentare oder per Mail: csad at uibk.ac.at

Ich hätte da noch eine ganz wichtige Frage, die noch nicht beantwortet wurde... Bitte einfach stellen solange es nichts Indiskretes ist.
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